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Titelbild der Informationsbroschüre Unsere Marsch
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Sprecherin der Bürgerinitiative:

Gisela Lohße-Trommsdorff

Ortwisch 54
28307 Bremen

Tel.: home0421.487449
EMail:

Kontaktdaten bei bremen.online

Rede von Gisela Lohße-Trommsdorff auf der Veranstaltung "Nachhaltige Stadtentwicklung in Bremen" vom 27.11.2002

Gisela Lohße-Trommsdorff während ihrer Rede

Unsere Bürgerinitiative "Erhaltung der Wesermarsch im Bremer Osten" besteht seit Januar 1998 mit dem Ziel:

  • die Marschbebauung zu verhindern und
  • Öffentlichkeit herzustellen

Wir haben viele Veranstaltungen und Aktionen durchgeführt und haben uns bemüht, von uns gesammelte Informationen an die BürgerInnen weiterzugeben.
Unser Arbeitskreis "Rettet die Marsch" trifft sich regelmäßig ein mal im Monat im Gemeindehaus der Arberger Kirche.
Wir haben über 4.000 Unterschriften gegen die Marschbebauung gesammelt.
Wie sie wissen, sind inzwischen große Teile der Arberger und Mahndorfer Marsch von der BIG (Bremer Investitionsgesellschaft) aufgekauft worden.
Einige private Grundstückseigentümer und die Arberger Kirche haben ihr Eigentum nicht verkauft und wollen das auch in der Zukunft nicht tun.
Das geplante Gewerbegebiet hat eine gigantische Größe und lässt von unserer Marschlandschaft so gut wie nichts übrig. Die Längsausdehnung von ca. 4 km entspricht etwa der Strecke Stephaniebrücke bis zur Erdbeerbrücke.
Warum soll ein so riesengroßes Gewerbegebiete am Stadtrand entstehen?
Politiker der Grossen Koalition sind vor Jahren angetreten, mit dem Ziel, Bremen zu sanieren und begründen den Flächenfraß damit, dass durch das Anbieten von neuen Gewerbeflächen die Schaffung von 35.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2007 möglich sei, und dadurch ca. 40.000 Neubürger nach Bremen kommen.
Diese unglaubwürdigen und falschen Zahlen sind inzwischen vom Tisch. Es steht fest, dass trotz Sanierungsmillionen die Arbeitslosenzahl in den letzten Jahren nicht wesentlich gesunken ist. Das bedeutet zwar nicht, dass keine neuen Arbeitsplätze geschaffen wurden, aber das Ziel Arbeitslosigkeit zu verringern, wurde nicht erreicht.
Auch bei der Zahl der Neubürger ist man inzwischen bescheiden geworden. Heute bedeutet es schon einen Erfolg, wenn die jetzige Einwohnerzahl gehalten wird.
Und Teilen der SPD vertreten inzwischen sogar die These, dass gute Lebensqualität der BürgerInnen gleichrangig zu bewerten ist, wie das Schaffen oder Erhalten von neunen Arbeitsplätzen.
Na, Hoffentlich ist das nicht nur wieder eine Wahlkampfthese!
Ein weiterer Grund , in der Arberger und Mahndorfer Marsch Gewerbe anzusiedeln ist, dass die zuständigen Politiker sagen, Flächen neben der Autobahn sind das geeignete Ansiedlungsgebiet für Gewerbe. Und auf der grünen Wiese zu planen ist einfacher und billiger, Bremen muss mit seinen Nachbargemeinden im Anbieten von Gewerbeflächen konkurrieren können.

Wir sind selbstverständlich auch an neuen und der Erhaltung vorhandener Arbeitsplätze interessiert, aber, voll erschlossene Gewerbegebiete gibt es in Bremen reichlich, z.B. Bremer Industriepark, Überseestadt, Vulkan Gelände, Airport-Stadt, GVZ und viele kleinere Gewerbegebiete innerhalb der einzelnen Stadtteile, diese Gebiete müssen vorrangig vermarktet werden, so dass es nicht notwendig wird, Gewerbegebiete auf der grünen Wiese (bei uns bestes Ackerland) zu bauen. In diesem Zusammenhang muss auch über die Frage gestellt werden: "Wie viel Gewerbeflächen braucht Bremen tatsächlich?" Es ist eine falsche Politik, wenn unser kleines Bundesland seine wenigen noch vorhandenen Freiflächen, sein grünes Kapital, verschleudert, und sich in Flächenkonkurrenz mit Niedersachsen begibt.

Wenn die zuständigen Politiker ihre Aufgabe ernst nehmen und zu dem, was sie unterschrieben haben auch tatsächlich stehen würden, würde eine solche Planung nicht möglich sein, denn Bremen hat die Agenda 21 unterzeichnet und sich verpflichtet, sparsam mit Flächen umzugehen. Der Flächenfraß in Bremen steht hierzu jedoch in krassen Widerspruch.
Die Arberger und Mahndorfer Marsch sind Landschaftsschutzgebiete. Es hat viel Zeit, Energie und Arbeitskraft gekostet, dass die betroffenen Marschflächen überhaupt unter Landschaftsschutz gestellt wurden. Und die Konsequenz daraus ist, dass diese Flächen Tabuzonen für jegliche Bebauung sind. Heute wird der Landschaftsschutz mit einem Federstrich wieder aufgehoben, Landschaftsschutzgebiete sind also Reserveflächen für spätere Bebauung, und das ist so nicht akzeptabel und hinnehmbar.

Die Hochwasser an Oder, Rhein und Elbe und den vielen kleinen Nebenflüssen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass das Versiegeln von Flächen entlang der Flüsse katastrophale Folgen nach sich zieht. Es ist höchste Zeit, mehr zum Schutz vor Hochwasser zu tun, auch deshalb darf unsere Marsch nicht bebaut werden. Die Flächen der Arberger und Mahndorfer Marsch wären im Fall eines Hochwassers ein geeignetes Überflutungsgebiet, um BremerInnen vor dem Wasser und vor Schäden zu schützen.
Zu diesem Thema wird die Arberger Kirchengemeinde mit uns zusammen eine öffentliche Veranstaltung durchführen, die im März in der Arberger Kirche stattfinden soll.

Das Marschgebiet ist das einzige Naherholungsgebiet in unserem Stadtteil. Es dient auch als Rastplatz für Zugvögel, und es leben in den Hecken und Wiesen viele Tiere, die durch eine Bebauung keinen Lebensraum mehr haben.
Die Umsetzung des geplanten Gewerbegebietes bedeutet den totalen Verlust der Wohn- und Lebensqualität für die BürgerInnen, die hier wohnen. Durch die Zerstörung von Natur in unserem Stadtteil werden BremerInnen ins Umland abwandern und gerade die Abwanderung soll ja gestoppt werden. Diejenigen, die es sich leisten können, werden ins Umland auswandern, es bleiben die BremerInnen, die zu alt zum umziehen sind oder die es sich finanziell nicht erlauben können. In Hemelingen haben wir heute schon eine problematische Bevölkerungsstruktur.
Wir wollen keinen "GewerbePark", wir sind ja bescheiden, wir wollen die Marschgebiete so, wie sie jetzt sind erhalten und die landwirtschaftliche Nutzung beibehalten. Wir wollen auch, dass der dörfliche Charakter bei uns erhalten bleibt, dazu gehört die Sichtachse vom Deich aus auf die Kirche und die Mühle mit dem davor liegenden Ackerland mit Hecken und Bäumen. Das sind Dinge mit denen sich die BürgerInnen, die hier wohnen identifizieren , und so können positive Bindung zu einem Wohnquartier entstehen. Riesige monotone eingeschossige Fabrikhallen, wie in der Hemelinger Marsch, wirken abschreckend, die Hemelinger Marsch ist als Naherholungsgebiet verloren.

Zum Schluß noch ein paar Worte zur geplanten Galopp-Trainingsbahn für Rennpferde.
Zusätzlich zu der Gewerbeansiedlung wird auf einer Fläche von ca. 50 ha ( das entspricht etwa die Größe des Technologieparks) auch noch eine Trainingsbahn für 240 Rennpferde gebaut, mit Ställen, Wohnungen für die Angestellten, Parkplätzen und einer Tierklinik. Das Rennbahngelände wird durch einen hohen Zaun abgegrenzt, so dass es für uns BürgerInnen unzugänglich ist. Obwohl das öffentliche Auslegungsverfahren (Änderung des Bebauungsplanes, Aufhebung des Landschaftsschutzes) ist noch nicht abgeschlossen ist, wurde mit dem Bau der Trainingsbahn begonnen. So werden Tatsachen geschaffen, die mögliche Einwände von BürgerInnen als Farce vorkommen lassen.
Uns bleibt es unverständlich, dass die Senatorin für Bau und Umwelt der Bebauung zugestimmt hat und die privaten Interessen des Rennvereins über die des Allgemeinwohls gestellt werden.

Die Bebauung der Marsch bedeutet nicht nur den Verlust des wohnungsnahen Naherholungsgebietes. Zusätzlich entsteht durch den geplanten Industriestadtteil und durch die geplante Wohnbebauung in der Osterholzer Feldmark ein erweitertes Straßennetz, dass unser Wohngebiet mit zusätzlichen Verkehren belasten wird. Wer will dann noch hier wohnen?

Darum fordern wir:

  • Keine weitere Gewerbeansiedlung in der Marsch
  • Keine Zerstörung des Naherholungsgebietes
  • Baustopp für die Galopp-Trainingsbahn in der Marsch
  • Wiederherstellung des Landschaftsschutzes
  • Hochwasserschutz

Wir fordern alle auf, sich am Widerstand gegen die Bebauung der Marsch zu beteiligen. Wir können nur Erfolg haben, wenn viele BürgerInnen mitmachen, wir brauchen sie!

Gruppenfoto von Mitgliedern der Bürgerinitiative

Internet Umsetzung:
Dipl.-Inform. Kai Hofmann, [hofmann@hofmann-int.de] - Bremen, 2007-12-02